Alt-J (∆) – Lobeshymnen auf die Tonkunst des Albums des Jahres „An Awesome Wave“

Diese Band ist die Antwort. Die Antwort auf die Frage nämlich, wie Musik im Jahr 2012 klingen sollte. Zu hören ist das auf dem Debütalbum „An Awesome Wave“ der britischen Band „Alt-J“. Es ist zweifellos das Album des Jahres.

Wann hat es das zuletzt gegeben? Da veröffentlicht eine junge Band ihr erstes Album, geht auf eine erste Tour und muß daran nahtlos eine dichtgepackte Welttournee anschließen, in der für Deutschland gerade einmal drei magere Termine im kommenden Februar abfallen. Und dieser erstaunliche Erfolg hat zur Abwechslung mal rein gar nichts mit eher sekundären popkulturellen Qualitätsmerkmalen (Aussehen, extravagantes Outfit, Talkshow-Auftritte, zertrümmerte Hotelzimmer, Drogeneskapaden u.ä.) zu tun. Nein! Es ist dieses Mal wirklich die Musik. Und die ist nichts weniger als großartig!

„An Awesome Wave“: Musikalisches Gesamtkunstwerk

Die insgesamt 13 Stücke auf „An Awesome Wave“ sind ein musikalisches Gesamtkunstwerk. Mit geradezu traumwandlerischem Gespür haben „Alt-J“ die besten Elemente der verschiedenen Musikgenres gesammelt und neu arrangiert. Da trifft dreckiger Bass auf feinen Synthesizersound, mehrstimmiger Gesang auf Trip-Hop, Xylophongeklingel auf Klavier. Man sollte dem Album sicher 2-3 Durchläufe gönnen, um für sich zu entscheiden, ob man bereit für diese erstaunliche Tonkunst ist. Denn glatt und gefällig kommen die Songs von „Alt-J“ natürlich nicht daher. Schon allein der Gesang: da wird gemaunzt, gewispert, gesungen mit sonorem Bass und manchmal ist man sich nicht sicher, ob da tatsächlich Sänger Joe Newman oder nicht doch ein arg gequälter Frosch zu hören ist. (Ob der Name – wenn man an die wunderbare Joanna Newsom denkt – also wirklich nur ein Zufall ist?)

Aber wen wundert das bei einer Band, die aus ehemaligen Kunst- und Literaturstudenten besteht. An der Universität Leeds haben sich Gwil Sainsbury, Joe Newman, Gus Unger-Hamilton und Thom Green kennengelernt. Und entsprechend akademisch-nerdig kommt auch der Bandname daher: die Tastenkombination „Alt-J“ ergibt (zumindest auf einem Mac mit UK-Tastaturbelegung) das Delta-Symbol. Was eben ganz im Sinne der Band für (Ver-)Änderung steht. Und daß das Plattencover eine Aufnahme des ESA-Satelliten Envisat ziert, passt irgendwie auch…

Wenn es nach mir ginge, dann dürften „Alt-J“ gerne in den nächsten Jahren noch einige ebenso brillante Alben nachlegen. Und natürlich mehr Konzerte in Deutschland spielen. Idealer- und unbescheidenerweise mit Chor auf der Bühne, so wie hier:

 

 

Das Album ist ganz sicherlich kaufenswert:

Wer sich noch ein wenig reinhören will, der hat bei Youtube ganz wunderbar Gelegenheit dazu.

Und wie hier zu sehen und zu hören ist, werden manche Songs bereits anderweitig aufgeführt:

 

Und natürlich glänzen Alt-J auch mit Musikvideos. Zum Song „Breezeblocks“ wird eine wirklich spannende Geschichte erzählt:

Alt-J „Breezeblocks“ from Project Fathom on Vimeo.

Beitragsfoto von: Darligulves, Lizenz: CC-BY-SA 4.0

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