Schneekristalle: Fragile Kunstwerke aus Eis

Schneeflocken gehören mit Sicherheit zu den vergänglichsten Kunstwerken der Natur. Und wenn wir ehrlich sind, so kennen wir deren faszinierende Kristallstruktur wohl eher aus den Lehrbüchern oder von Abbildungen im Internet. Kein Wunder: denn eigentlich schneit es bei uns ja meistens, wenn die Temperaturen bei etwa 0°C liegen. Und dann schweben eben schon lange nicht mehr einzelne Schneekristalle vom Himmel herab, sondern zusammengeballte Schnee-, Eis- und Wassertröpfchenkonglomerate. Bei den schweinekalten Temperaturen zur Zeit ist das aber anders…

Ich habe gestern kurz die Gelegenheit genutzt und bin mit meiner Kamera fünf Minuten nach draußen. Denn die eisigen Stern- und Kristallformen waren mit bloßem Auge zu erkennen. Schneekristalle bilden sich (wie ich hier schonmal geschrieben hatte) immer in sechseckiger Struktur. Das liegt schlicht daran, daß die Wassermoleküle eben nur im Winkel von 60° bzw. 120° aneinander andocken können. Und das Ergebnis sind die zauberhaften Sternformen. Aber die gibt es in dieser Art eben nur bei Temperaturen von etwa -12°C bis -16°C. Perfekte Bedingungen derzeit also für Schneeforscher! :-)

  1. Lieber Marc,

    ich teile deine Freude an den filigranen Strukturen von Schneekristallen. Trotzdem hat dein Artikel unerfreuliche Erinnerungen an eine Diskussion bei Scienceblogs in mir geweckt, in der es darum ging, ob die Mathematik sozusagen in der Natur steckt oder ob die Mathematik nicht eher unser Werkzeug ist, mit der wir uns eine idealisierte Natur modellieren können. Dein Text ist für mich in seinen apodiktischen Teilen (Bei Facebook hast du geschrieben: “Wieviele Ecken hat ein Schneekristall? Richtig: 6! Und zwar immer!”) ein Fall dieser Methode, die menschliche Mathematik in die Realität hineinzusehen.

    Was ist den der Fakt: Unter bestimmten idealen Bedingungen gelingt es dem suchenden fotografierenden Menschen, unter der Vielzahl der Schneeflocken einige Exemplare zu finden, die bei wohlwollender Betrachtung recht schön sechseckig-symmetrisch sind. Das ist ohne Zweifel wundervoll und schön. Aber auch auf deinen Fotos ist das die Ausnahme. Es ist genau die Ausnahme, die wir mit unserer Mathematik und unserer begrenzten Fähigkeit, die Prozesse in der Realität zu begreifen, verstehen können. Und diese Ausnahme erheben wir dann zum Standard, zur Wahrheit: “Schneeflocken sind immer sechseckig!” was ist mit dem vielen gefrorenen Eis auf deinen Fotos, das nicht diese Struktur zeigt? Sind die kein Schnee?

    • @Jörg:

      Ich verstehe Deinen Einwand, wobei ich gleich reklamieren will, daß ich ja eben nicht geschrieben habe, daß nur das Schnee ist, was sechs Ecken hat.

      Wobei nochmal grundsätzlich: klar gibt es die Position, die in der Nachfolge Galileis der Ansicht ist, das “Buch der Natur” sei in der Sprache der Mathematik geschrieben. Fast so als sei die Mathematik die Grammatik, die dann auf wundersame Weise all die Formen, Pflanzen, Tiere etc. hervorbringt, die aber ihrerseits immer streng auf ihr mathematisches Gerüst bzw. Urstruktur zurückgeführt werden können.

      Der Ansicht bin ich ausdrücklich nicht. Diese (buchstäblich) Weltsicht kommt mir immer so vor, als sähe man in seiner Welt ausschließlich Nägel, nur weil man zufälligerweise einen Hammer in der Hand hält.

      Was den Schnee angeht: Schnee ist (ich deute es oben an) sehr viel mehr als nur die reine Schneekristallform, die ja so sowieso (ebenfalls erwähnt) nur bei ganz bestimmten Bedingungen entsteht. Aber diese Schneekristalle bilden sich eben schon nur in dieser sechseckigen Variante. Achteckige, fünfeckige etc. Schneesterne gibt es eben nicht in dieser Welt. Und das finde ich interessant. Wobei natürlich wahr ist, daß die Kristalle fast immer deformiert, zusammengeballt oder sonstwie verändert vorliegen. Die “reine” Form ist also die Ausnahme. Das heißt aber nicht, daß es sie nicht gibt.

      • Schön, dann sind wir ganz und gar einer Meinung. In meiner “Kritik der vernetzten Vernunft” wird das Schneeflockenbeispiel übrigens vorkommen, ich schicke dir dann gern ein Exemplar und hoffe auf wohlwollende Besprechung ;-)

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