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	<title>- Marc Scheloske</title>
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	<description>Profil, Person &#38; Projekte</description>
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	<title>- Marc Scheloske</title>
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		<title>Über die Unfähigkeit zum Diskurs, das Tempolimit und den Traum einer demokratisch-gebändigten Technokratie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jan 2019 14:36:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Zeit meines Lebens war ich mit Willy Brandt einig. Wir sollten &#8222;mehr Demokratie wagen!&#8220; Je älter ich werde, desto häufiger zweifle ich. Nicht an der Idee der Demokratie, aber an ihrer real-existierenden Darreichungsform. Und ich zweifle an ihrer Fähigkeit vernünftige Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls zu produzieren. Wann und wie ist es eigentlich passiert, dass [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zeit meines Lebens war ich mit Willy Brandt einig. Wir sollten &#8222;mehr Demokratie wagen!&#8220; Je älter ich werde, desto häufiger zweifle ich. Nicht an der Idee der Demokratie, aber an ihrer real-existierenden Darreichungsform. Und ich zweifle an ihrer Fähigkeit vernünftige Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls zu produzieren. Wann und wie ist es eigentlich passiert, dass der Begriff und die Vorstellung einer &#8222;Technokratie&#8220; so diskreditiert wurde?</p>
<p><strong>Flüchtige Gedanken zur überfälligen Rehabilitierung der Technokratie</strong></p>
<p>Es ist eigentlich gleichgültig, welche Debatten man als Beispiel heranzieht. Zuletzt wurde und wird über die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid und über Sinn und Unsinn eines generellen Tempolimits auf Autobahnen gestritten. Ich habe nichts gegen den Streit. Überhaupt nichts gegen den gepflegten öffentlichen Diskurs, den Austausch von Argumenten. Doch genau das ist der Punkt. Zwischen Argument, Meinung und wehleidigem Lamento wird überhaupt nicht unterschieden. Alles wird als Debattenbeitrag ernstgenommen. Und die Wissenschaft? Sie ist zu leise, Zaungast der Debatte, mit sich selbst beschäftigt&#8230;</p>
<p>Da dringt aus einem Expertengremium der Vorschlag eines Tempolimits an die Öffentlichkeit. Eine Begrenzung auf 130km/h diene dem Klimaschutz und senke die Zahl der Verkehrsopfer. Eine Woche später gibt CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zu Protokoll, es handele sich um <em>&#8222;eine Phantomdebatte&#8220;</em>, der es v.a. darum ging <em>&#8222;Autofahrer zu quälen und zu bestrafen&#8220;</em>. Verkehrsminister Scheuer verweist darauf, dass ein Tempolimit <em>&#8222;gegen den Menschenverstand&#8220;</em> verstoße und kritisiert den <em>&#8222;Ansatz der ständigen Gängelung&#8220;</em>.</p>
<p><strong>Wenn Argumente durch Meinung ersetzt werden</strong></p>
<p>Wann ist es aus der Mode gekommen, sich mit wirklichen Argumenten auseinanderzusetzen? Wieso erhalten Politiker Applaus (in den Onlineforen genauso wie in den Kommentarspalten der Tageszeitungen), wenn sie stichhaltige Argumente mit herbeifantasierten Vorwürfen wegwischen? Werden Autofahrer ebenso &#8222;gequält&#8220;, wenn sie bei Rot an der Ampel stehenbleiben müssen? Weshalb ist Tempo 50 innerorts nicht ebenso eine &#8222;Gängelung&#8220;? Wie erklären AKK, Scheuer und Co. den Masochismus fast aller anderen Länder, die wir doch sonst eher für ihr Laissez-faire bewundern. Schneller als 120 oder 130km/h fährt in Frankreich oder Italien niemand.</p>
<p>Aber das Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist offensichtlich eine teuflische Idee!? Und eine sachliche Auseinandersetzung mit den Zahlen (und guten Untersuchungen zum Thema) ist wohl zu viel verlangt? Das Statistische Bundesamt hat solche Zahlen. <a href="https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2018/verkehrsunfaelle_2017/Pressebroschuere_unfallentwicklung.pdf">Die jüngsten Werte für 2017</a> lesen sich wie folgt:</p>
<blockquote><p>Im Jahr 2017 kam es zu 20 928 Unfällen mit Personenschaden auf Deutschlands Autobahnen. Dabei starben 409 Menschen, 5 974 wurden schwer verletzt. Unter den Getöteten waren 215 Pkw-Insassen, 101 Insassen von Güterkraftfahrzeugen sowie 29 Fußgängerinnen und Fußgänger. Eine der Hauptunfallursachen auf Autobahnen ist zu schnelles Fahren. Im Jahr 2017 war mehr als ein Drittel (7 194) der Autobahnunfälle darauf zurückzuführen.</p></blockquote>
<p>Ein Drittel der Unfälle hat also direkt mit der hohen Geschwindigkeit zu tun. Nehmen wir nur an, dass sich bei einem generellen und kontrollierten (!) Tempolimit die Hälfte aller geschwindigkeitsinduzierten Autobahnunfälle vermeiden ließe. Dann stehen folglich 1/6 der Opfer zur Disposition.</p>
<p>Das sind jährlich 65 Menschen, die nicht auf einer deutschen Autobahn sterben. Das sind 1.000 Menschen, denen schwerste Verletzungen erspart bleiben.</p>
<p>Auf zehn Jahre sind das:</p>
<ul>
<li>650 Mütter, Väter, Arbeitskollegen, Kinder, Freunde, die am Leben bleiben könnten, wenn wir uns heute auf ein Tempolimit von 130km/h verständigen könnten</li>
<li>10.000 Menschen, die ein unversehrtes Leben führen könnten (ohne das Trauma eines Verkehrsunfalls und die körperlichen Folgen schwerer Verletzungen)</li>
</ul>
<p>Wenn solche Zahlen in der öffentlichen Debatte quasi negiert werden, weil Politiker ungestraft etwas von &#8222;Gängelung&#8220; erzählen, ohne dafür geohrfeigt oder wenigstens ausgelacht zu werden, solange zweifle ich an der Geschichte vom Volk, seiner Souveränität und der Chance vernünftige Entscheidungen zu produzieren.</p>
<p>Und ich träume von einer gebändigten Technokratie. Das bestimmt nicht in einer orthodoxen technokratischen Variante, also nicht im Sinne eines naiven Glaubens an die (technische) Machbarkeit aller Dinge. Aber doch bitte als Privilegierung von rationalen Argumenten im Diskurs. Mitsamt der Bereitschaft den Experten zuzuhören und die jammerlappigen Reflexe mal wegzulassen.</p>
<p>Denn, nein!, es gibt kein Menschenrecht auf ein durchgedrücktes Gaspedal auf öffentlichen Straßen. Nicht einmal in Deutschland!</p>
<p>&#8211;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zahlen &amp; Fakten zum Nachlesen:</p>
<ul>
<li>Statistisches Bundesamt (2018): <a href="https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2018/verkehrsunfaelle_2017/Pressebroschuere_unfallentwicklung.pdf">Unfallentwicklung auf deutschen Strassen.</a></li>
<li>Schlothauer &amp; Wauer, Ingenieurgesellschaft für Straßenverkehr (2007): <a href="https://mil.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.2239.de/studie_tempolimit.pdf">Auswirkungen eines allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen im Land Brandenburg</a>.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Christian Wulff: Der kürzeste Bundespräsident</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 11:49:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Notizen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wulff]]></category>
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					<description><![CDATA[Bundespräsidentenrücktritte gehören ja eigentlich nicht zum Repertoire der Bundesrepublik. Aber nachdem Horst Köhler sich im Mai 2010 nicht mehr im Schloß Bellevue wohl fühlte und vorzeitig seinen Dienst quittierte, ist heute bereits der zweite Bundespräsident als fahnenflüchtig zu verzeichnen. Und wahrscheinlich wurde es auch Zeit, daß Wulff endlich abdankt. Aber ob daraus eine Mode wird? [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bundespräsidentenrücktritte gehören ja eigentlich nicht zum Repertoire der Bundesrepublik. Aber nachdem Horst Köhler sich im Mai 2010 nicht mehr im Schloß Bellevue wohl fühlte und vorzeitig seinen Dienst quittierte, ist heute bereits der zweite Bundespräsident als fahnenflüchtig zu verzeichnen. Und wahrscheinlich wurde es auch Zeit, daß Wulff endlich abdankt. Aber ob daraus eine Mode wird? </strong></p>
<p>Es ist viel von der Würde des Amtes des Bundespräsidenten zu lesen gewesen in den letzten Monaten. Darüber, daß Amt und Amtsträger nicht beschädigt werden dürfen von Medien, die möglicherweise eine Kampagne fahren. Und darüber, daß an einen Bundespräsidenten eben notwendigerweise andere Maßstäbe (was moralische Integrität angeht) anzulegen sind, als an einen Landespolitiker aus Hannover. Und nun hat Wulff doch noch kapituliert.</p>
<p>Jetzt haben wir ihn also: den im Dezember und Anfang des Jahres erwarteten Rücktritt, an den man zwischenzeitlich immer weniger glauben mochte. Irgendwie sah es eher danach aus, als hätte Klette Wulff sich erfolgreich an seinen Posten geklammert. Heute aber gab es nun also doch den Rücktritt mit einer kurzen, mal wieder ziemlich <a  href="http://www.sueddeutsche.de/politik/wulffs-ruecktrittserklaerung-im-wortlaut-ich-habe-mich-stets-korrekt-verhalten-1.1286679">selbstmitleidigen Ansprache</a>.</p>
<p><strong>So kurz war keiner</strong></p>
<p>Ganze 19 Monate hat es Christian Wulff im Amt ausgehalten (und eigentlich sollte man ihm noch 1-2 Monate wg. der üblen Hängepartie am Schluß abziehen). Damit setzt er sich immerhin in einer Rangliste an die Spitze. Er ist somit nämlich der Bundespräsident mit der kürzesten Amtszeit. Im Schnitt waren die Herren (eine Frau hat ja leider noch nie die Gnade der Bundesversammlung gefunden) immerhin 74 Monate, also 6 Jahre und 2 Monate im Amt. Die 19 Monate von Wulff stinken dagegen ganz schön ab. (Wenn man Wulff selbst nicht mit einrechnet, dann liegt der Durchschnitt gar bei gut 80 Monaten.)</p>
<p>Wenn sich dieser Trend fehlender Standhaftigkeit weiter fortsetzt, dann haben wir im Jahr 2036 den Bundespräsidenten jeweils noch für genau ein Jahr. Was ja vielleicht auch ganz passend ist. Karnevalsprinzen oder andere Narren amtieren schließlich auch meistens für ein Kalenderjahr.</p>
<p>Noch weiter fortgeschrieben, schneidet die Trendlinie die x-Achse dann im Jahr 2048. In gut 30 Jahren also dann Wechsel im Rhythmus von wenigen Wochen, dann wenige Tage und wie das dann 2048 aussehen wird, wenn zunächst täglich, dann sogar stündlich neue Bundespräsidenten ins Amt kommen (und dann wieder verschwinden) weiß ich auch nicht. Jede Menge Gedränge am Rücktrittspult jedenfalls.</p>
<figure id="attachment_593" aria-describedby="caption-attachment-593" style="width: 815px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident01.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-593" src="https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident01.jpg" alt="Amtszeiten deutscher Bundespräsidenten" width="815" height="329" srcset="https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident01.jpg 815w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident01-300x121.jpg 300w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident01-768x310.jpg 768w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident01-330x133.jpg 330w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident01-736x297.jpg 736w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident01-414x167.jpg 414w" sizes="(max-width: 815px) 100vw, 815px" /></a><figcaption id="caption-attachment-593" class="wp-caption-text">Amtszeiten deutscher Bundespräsidenten</figcaption></figure>
<p>Und das Selbstmitleid von Wulff kann man vielleicht ein wenig besser verstehen, wenn man sich vor Augen führt, wie klein sein Stück vom großen Kuchen der Bundespräsidenten- amtierungsgesamtdauer ist. Lächerlich 19 Monate! Für Wulff! Das hatte sich Christian wohl anders vorgestellt.</p>
<figure id="attachment_603" aria-describedby="caption-attachment-603" style="width: 540px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident02_540.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-603 size-full" src="https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2012/02/Amtszeit-Bundespräsident02_540.jpg" alt="Amtszeiten der Bundespräsidenten - Tortendiagramm" width="540" height="617" /></a><figcaption id="caption-attachment-603" class="wp-caption-text">Amtszeiten der Bundespräsidenten &#8211; Tortendiagramm</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Offene Briefe, Geisterwelten und das Stockholm-Syndrom der Berliner Piraten</title>
		<link>https://www.scheloske.net/2011/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 16:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Daniela Scherler]]></category>
		<category><![CDATA[Esoterik]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Offene Briefe sind ja eine wunderbare Erfindung. Nur dumm, daß meistens die falschen Leute welche schreiben. Wir alle warten, daß sich Bundespräsident Wulff endlich mal in vernünftiger Form erklärt.1 Aber der ziert sich. Währenddessen hat Daniela Scherler zur digitalen Feder gegriffen, doch was man da liest, hätte man eigentlich lieber gar nicht gewußt. Es ist [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_388" aria-describedby="caption-attachment-388" style="width: 240px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" class="size-full wp-image-388"  src="http://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/12/Tagesspiegel-Screenshot240.jpg" alt="Artikel beim Tagesspiegel zum Piraten-Esogate" width="240" height="194" /><figcaption id="caption-attachment-388" class="wp-caption-text">Artikel beim Tagesspiegel zum Piraten-Esogate</figcaption></figure>
<p><strong>Offene Briefe sind ja eine wunderbare Erfindung. Nur dumm, daß meistens die falschen Leute welche schreiben. Wir alle warten, daß sich Bundespräsident Wulff endlich mal in vernünftiger Form erklärt.<a href="https://www.scheloske.net/2011/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/#footnote_0_373" id="identifier_0_373" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auch wenn ich so meine Zweifel habe, ob ich nachvollziehen k&ouml;nnte, warum Wulff nicht einfach zur Bank marschiert, wenn er Geld f&uuml;r einen Hauskauf braucht. Und zu seiner offenbar notorisch klammen Urlaubskasse f&auml;llt mir ehrlicherweise auch nichts mehr ein&hellip;">1</a> Aber der ziert sich. Währenddessen <a  href="http://www.piratenfraktion-berlin.de/2011/12/19/offener-brief-der-fraktionsgeschaftsfuhrerin/">hat Daniela Scherler zur digitalen Feder</a> gegriffen, doch was man da liest, hätte man eigentlich lieber gar nicht gewußt. Es ist schlimm&#8230;<br />
</strong></p>
<p>Kurz die Rekapitulation der letzten Ereignisse: ich habe vergangenen Donnerstag über das doch arg gewöhnungsbedürftige Weltbild von Daniela Scherler <a  href="http://www.scheloske.net/index.php/2011/12/kein-spass-die-seltsame-esoterik-welt-der-fraktionsgeschaeftsfuehrerin-der-berliner-piraten/">gebloggt</a>, die zuletzt als Heilpraktikerin, Coach und <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3839141575/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3839141575">Buchautorin</a><a href="https://www.scheloske.net/2011/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/#footnote_1_373" id="identifier_1_373" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Achtung: Das ist ein Amazon-Affiliate-Link. Dieses Buch aber bitte nicht kaufen. Danke.">2</a> tätig war.</p>
<p>Inzwischen ist sie Fraktionsgeschäftsführerin der Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Umstand, daß Frau Scherler in ihren Seminaren und Büchern ganz offensichtlich absolut groteske Lebens- und Gesundheitstipps<a href="https://www.scheloske.net/2011/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/#footnote_2_373" id="identifier_2_373" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die im Einzelfall nicht nur dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen, sondern im eklatanten Widerspruch zu allen &ndash; empirisch abgesicherten &ndash; Erkenntnissen stehen!">3</a> gibt, generell Krankheiten als nichtbewältigte &#8222;Lernthemen&#8220; definiert und ganz nebenbei schwerkranken Menschen pauschal eine (Mit-)Schuld für ihre Krankheit zuweist, hat die Berliner Piraten nicht davon abgehalten, Frau Scherler einzustellen. Darüber habe ich mich gewundert.<a href="https://www.scheloske.net/2011/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/#footnote_3_373" id="identifier_3_373" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es wurde gelegentlich gemunkelt, das alles sei eine &ndash; geplant-kalkulierte? &ndash; Hetzjagd, evtl. sogar eine konzertierte Aktion von Piratenkritikern. Was nat&uuml;rlich Quatsch ist. Ich habe ansonsten keine gro&szlig;artige Meinung zu den Piraten. Die sollen mal ihren Kram machen, ihr Programm ausbuchstabieren und dann sehen wir weiter. Ich habe (wie auch nachles- und nachpr&uuml;fbar ist) noch an keiner Stelle zuvor Piratenkritik ge&uuml;bt. War also meine Premiere.">4</a></p>
<p><strong>Ein Shitstorm und seine Folgen</strong></p>
<p>Mein kritischer Beitrag hat unerwartet große Resonanz erfahren. Es wurde getwittert, verlinkt und geschimpft. Binnen weniger Stunden entlud sich ein veritabler Shitstorm über den Piraten bzw. Daniela Scherler.<a href="https://www.scheloske.net/2011/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/#footnote_4_373" id="identifier_4_373" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nachdem ich selbst seit Jahren im Internet engagiert bin, wei&szlig; ich was das hei&szlig;t, wenn man Zielscheibe von kritik wird. Shitstorms mittlerer Auspr&auml;gung habe ich selbst durchaus auch schon durchgemacht. Ich wei&szlig; also, wovon ich rede.">5</a> Am Freitag war die fragwürdige Personalie dann auch <a  href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,804278,00.html">Thema bei Spiegel Online</a>, später war dann auch <a  href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/die-piraten-haben-den-wertepluralismus-falsch-verstanden/5970156.html">beim Tagesspiegel vernünftiges zum Thema zu lesen</a>.</p>
<p>Die Versuche zu Deeskalation der Piraten selbst, waren eher halbherzig. Die Stellungnahme auf der Website (<a  href="http://www.piratenfraktion-berlin.de/2011/12/16/fragen-zur-fraktionsgeschaftsfuhrerin/">hier</a>) war dann doch inhaltlich zu dünn (und vielleicht zu feige). Am heutigen Montag wurde nun <a  href="http://www.piratenfraktion-berlin.de/2011/12/19/offener-brief-der-fraktionsgeschaftsfuhrerin/">ein offener Brief von Daniela Scherler</a> veröffentlicht, in dem sie selbst Stellung zu den Diskussionen nimmt. Und ich wage zu prophezeien, daß der Fall damit noch lange nicht erledigt ist.</p>
<p>Denn (wie eingangs erläutert) &#8222;offene Briefe&#8220; sind zwar prinzipiell eine gute Erfindung, aber der Inhalt sollte halt dann auch passen. Doch nach der Lektüre des Briefes von Daniela Scherler ist man eher ernüchtert. Und auch ein bißchen entsetzt.</p>
<p><strong>Uneinsichtigkeit und Katastrophenmanagement</strong></p>
<p>Ernüchtert ist man, was Frau Scherler betrifft. Entsetzt, was das Krisenmanagemnt der Piraten angeht. Der Reihe nach: Irgendwie ahnte man ja, daß Frau Scherler gewisse Schwierigkeiten damit hat, bestimmte (physische) Realitäten anzuerkennen. Ihre Stellungnahme offenbart nun allerdings auch ihre Unfähigkeit die (soziale) Stimmungslage einzuschätzen.</p>
<p>Denn nach dem einleitenden trotzig-diffusen Bekenntnis zu Religions- und Meinungsfreiheit kontert Daniela Scherler die Kritik auf ihre ganz eigene Art und Weise. Zum Vorwurf, sie schiebe Kranken die Schuld an der Krankeit zu, schreibt sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich verwende nicht den Begriff Schuld, sondern Verantwortung. Mit dem Titel „Du hast die Macht über Dich!“ will ich verdeutlichen, dass jeder von uns für sein Leben in hohem Maß Eigenverantwortung trägt. Und es für jeden einzelnen hilfreich ist, wenn er diesen Teil der Verantwortung annimmt, anstatt sie auf andere zu projizieren. Es gibt Lebensumstände und Situationen, in denen man sicherlich nur von einer Teilverantwortung sprechen kann oder Lebensumstände, in die man zum Beispiel hineingeboren wird. Dort greift der Begriff Eigenverantwortung wohl eher aus spiritueller Sicht. Hilfe und Unterstützung gebe ich ohne die vorherige Klärung der Eigenverantwortung.&#8220;</p></blockquote>
<p>Es ist auf den ersten Blick eine umständliche Pseudorechtfertigung. Mit der Unterstellung sie operiere mit dem Schuldbegriff, tue man ihr Unrecht. Es gehe ihr vielmehr um Verantwortung. Und &#8222;Eigenverantwortung&#8220; klingt ja gut. Beim ersten Lesen.</p>
<p>Beim zweiten Mal? Wird es mir übel. Denn es geht (das zur Erinnerung) um Krankheiten wie Krebs, AIDS, Lungenentzündungen, weitere Infektionskrankheiten etc.</p>
<p>Zur Erinnerung: Die Kritik lautete, Frau Scherler gebe den Betroffenen Schuld an ihrer Krankheit. Und ihre Antwort? Genau: <em>&#8222;Es ist für jeden einzelnen hilfreich, wenn er (&#8230;) Verantwortung annimmt, anstatt sie auf andere zu projizieren.&#8220;</em></p>
<p>Puh! Also doch selbst Schuld bzw. verantwortlich? Wobei es wohl Ausnahmen &#8211; so darf man jetzt immerhin lesen &#8211; gibt. Denn <em>&#8222;[in bestimmten] Lebensumständen und Situationen&#8220;</em> gibt es wohl nur eine &#8222;Teilverantwortung&#8220;, etwa wenn man in<em> &#8222;Lebensumstände (&#8230;) hineingeboren&#8220;</em> wurde. Klartext Frau Scherler? Etwa wenn man mit einer Behinderung oder Erbkrankheit auf die Welt gekommen ist? Dann ist man natürlich nur (teil-)verantwortlich bzw. in ihren Worten: <em>&#8222;Es greift der Begriff der Eigenverantwortung (&#8230;) aus spiritueller Sicht.&#8220;</em></p>
<p><strong>Reinkarnation und andere Gruselgeschichten</strong></p>
<p>Kann man das verstehen? Ach ja, da gibt&#8217;s ja sowas wie Reinkarnation. Da trägt man halt die Verantwortung durch Fehlverhalten in einem anderen Leben&#8230; Haarsträubend zwar, aber immerhin konsequent.<a href="https://www.scheloske.net/2011/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/#footnote_5_373" id="identifier_5_373" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wirklich wundern kann einen das alles nicht. Schlie&szlig;lich postuliert sie ja in ihrem Buch ausdr&uuml;cklich, da&szlig; Krankheiten als Effekt (falscher) &bdquo;Projektionen&ldquo; zu verstehen sind. Und daf&uuml;r ist man nunmal selbst verantwortlich. Und auch vor der Grippe, wie sie in ihrem Buch schreibt, bleibt man nicht verschont, weil man schlicht Gl&uuml;ck hatte, sich w&auml;hrend der Erk&auml;ltungszeit die H&auml;nde regelm&auml;&szlig;ig w&auml;scht oder Dank eines guten Immunsystems. Das Grippevirus &ndash; so Scherler auf S. 186 &ndash; kann &bdquo;nicht bei uns andocken, wenn wir nicht in Resonanz mit ihm sind.&ldquo;">6</a></p>
<p>Und ganz allgemein im Bezug auf Medizin und die Wissenschaft läßt Daniela Scherler wissen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Für die klassische Medizin würde ich mir wünschen, dass sie ihr Menschen- und Krankheitsbild auch in Zukunft erweitert, so wie es einige Krankenhäuser und Ärzte bereits tun. Ich lehne die klassische Medizin nicht kategorisch ab. Ich bin dafür, dass die Esoterik und Exoterik (Forschung und Wissenschaft) sich ergänzen und voneinander lernen. Die Quantenphysiker scheinen diesbezüglich Grenzen überschreiten zu können.&#8220;</p></blockquote>
<p>Über den Satz, daß sie die &#8222;klassische Medizin nicht kategorisch&#8220; ablehne, kann man ja fast noch lachen. Wobei mich interessieren würde, welche medizinischen Konzepte vor Frau Scherler bestehen können. Impfungen? Höchstwahrscheinlich nicht&#8230;<a href="https://www.scheloske.net/2011/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/#footnote_6_373" id="identifier_6_373" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Aber lassen wir das, alles Spekulation.">7</a></p>
<p>Mit ihrem Satz, daß sich &#8222;Esoterik und Exoterik&#8220; ergänzen sollen, ist sie dann wieder ganz bei sich. Denn was soll das denn heißen? Gibt es Hüft-OPs &#8211; in der Idealvorstellung Frau Scherlers &#8211; bald nur noch bei Vollmond? Welchen Erleuchtungs- und Bewußtseinsgrad muß medizinisches Personal ihrem Verständnis nach haben? Müssen sich universitäre Geologen demnächst verplichtend die Sachkunde von Wünschelrutengängern ins Haus holen? Fragen über Fragen&#8230;</p>
<p><strong>Des Esoterikers Lieblingsthese: Vermeintlich grenzüberschreitende Quantenphysik</strong></p>
<p>Dankenswert klar und einzigartig entlarvend ist dann wenigstens der nächste Satz: <em>&#8222;Die Quantenphysiker scheinen diesbezüglich Grenzen überschreiten zu können.&#8220; </em>Bingo!</p>
<p>Frau Scherler übertrifft sich selbst. Da hat man irgendwann mal etwas davon aufgeschnappt, daß Quantenphänomene eine gewisse Uneindeutigkeit an sich haben und schon plappert man so einen Mist. Naja, vermutlich plappert man eher nach, was man so in Esokreisen unter dem Quantenetikett ventiliert. Quanten (gerne auch als &#8222;Quantenverschränkung&#8220; im Umlauf) scheinen ja ein Eso-Buzzword zu sein. Und Frau Scherler bezieht sich mit ihrer mutigen These sicher auf hochwertige Sachbücher, die etwa den <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3843410437/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3843410437">hawaiianischen Schamanismus und die Quantenphysik </a>(Achtung Amazon-Link) in Zusammenhang bringen. Oder so ähnlich.</p>
<p>Es ist wirklich unglaublich. Und ich kann nur ScienceBlogger Christian Reinboth zustimmen, <a  href="http://www.piratenfraktion-berlin.de/2011/12/19/offener-brief-der-fraktionsgeschaftsfuhrerin/#comment-2452">der in den Kommentaren</a> auf den Offenen Brief schrieb:</p>
<blockquote><p>&#8222;Das wäre vielleicht mal eine dankbare politische Aufgabe für die Piraten: Verbesserung der naturwissenschaftlichen Allgemeinbildung auf gehobenen und hohem Niveau. Vielleicht ließe sich auf diesem Wege – unter anderem – ein klareres öffentliches Bild der Quantenphysik etablieren, so dass zukünftig nicht mehr jeder – mit Verlaub – Bockmist mit Verweis auf die “geheimnisvolle” Quantenphysik gerechtfertigt werden kann…&#8220;</p></blockquote>
<p><strong>Einäugiges Stockholm-Syndrom</strong></p>
<p>Die große Frage lautet nur: weshalb verharren die Berliner Piraten in Schockstarre? Will man die Kritik aussitzen? Offenbar verbucht man den Protest intern bislang ja bevorzugterweise unter &#8222;Hetzjagd&#8220;. Ein Eingeständnis, daß diese Personalentscheidung für eine Partei, die sich Aufklärung (inhaltlich, politisch, strukturell) auf die Fahnen geschrieben hat, nicht glücklich war? &#8211; Fehlanzeige.</p>
<p>Sieht mir verdammt nach einer einäugigen Variante des <a  href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom">Stockholm-Syndroms</a> aus. Man solidarisiert sich shitstormtraumatisiert lieber mit dem eigenen Peiniger als sich den Realitäten zu stellen. Dabei wäre es dafür allerhöchste Zeit.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_373" class="footnote">Auch wenn ich so meine Zweifel habe, ob ich nachvollziehen könnte, warum Wulff nicht einfach zur Bank marschiert, wenn er Geld für einen Hauskauf braucht. Und zu seiner offenbar notorisch klammen Urlaubskasse fällt mir ehrlicherweise auch nichts mehr ein&#8230;</li><li id="footnote_1_373" class="footnote">Achtung: Das ist ein Amazon-Affiliate-Link. <a  href="http://www.amazon.de/gp/product/3839141575/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3839141575">Dieses Buch</a> aber bitte nicht kaufen. Danke.</li><li id="footnote_2_373" class="footnote">Die im Einzelfall nicht nur dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen, sondern im eklatanten Widerspruch zu allen &#8211; empirisch abgesicherten &#8211; Erkenntnissen stehen!</li><li id="footnote_3_373" class="footnote">Es wurde gelegentlich gemunkelt, das alles sei eine &#8211; geplant-kalkulierte? &#8211; Hetzjagd, evtl. sogar eine konzertierte Aktion von Piratenkritikern. Was natürlich Quatsch ist. Ich habe ansonsten keine großartige Meinung zu den Piraten. Die sollen mal ihren Kram machen, ihr Programm ausbuchstabieren und dann sehen wir weiter. Ich habe (wie auch nachles- und nachprüfbar ist) noch an keiner Stelle zuvor Piratenkritik geübt. War also meine Premiere.</li><li id="footnote_4_373" class="footnote">Nachdem ich selbst seit Jahren im Internet engagiert bin, weiß ich was das heißt, wenn man Zielscheibe von kritik wird. Shitstorms mittlerer Ausprägung habe ich selbst durchaus auch schon durchgemacht. Ich weiß also, wovon ich rede.</li><li id="footnote_5_373" class="footnote">Wirklich wundern kann einen das alles nicht. Schließlich postuliert sie ja in ihrem Buch ausdrücklich, daß Krankheiten als Effekt (falscher) &#8222;Projektionen&#8220; zu verstehen sind. Und dafür ist man nunmal selbst verantwortlich. Und auch vor der Grippe, wie sie in ihrem Buch schreibt, bleibt man nicht verschont, weil man schlicht Glück hatte, sich während der Erkältungszeit die Hände regelmäßig wäscht oder Dank eines guten Immunsystems. Das Grippevirus &#8211; so Scherler auf S. 186 &#8211; kann &#8222;nicht bei uns andocken, wenn wir nicht in Resonanz mit ihm sind.&#8220;</li><li id="footnote_6_373" class="footnote">Aber lassen wir das, alles Spekulation.</li></ol>]]></content:encoded>
					
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		<title>Kein Spaß: Die seltsame Esoterik-Welt der Fraktionsgeschäftsführerin der Berliner Piraten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 07:40:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Daniela Scherler]]></category>
		<category><![CDATA[Esoterik]]></category>
		<category><![CDATA[gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich mag Dummheiten, Paradiesvögel und schräge Ideen. Aus Dummheiten kann man lernen und der Rest bereichert das Leben. Aber irgendwann hört der Spaß auch auf. Etwa wenn man mit lächerlichem Esoterikgeschwurbel Geld verdient oder in Seminaren obskure Heilslehren verbreitet. Die Berliner Piraten sehen das anscheinend anders. Ihre Fraktionsgeschäftsführerin Daniela Scherler ist offensichtlich mit allerlei Esoterik-Hokuspokus [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_360" aria-describedby="caption-attachment-360" style="width: 241px" class="wp-caption alignright"><a href="http://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/12/Meditation2011_01.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-360 "  src="http://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/12/Meditation2011_01-241x300.jpg" alt="Meditation" width="241" height="300" srcset="https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/12/Meditation2011_01-241x300.jpg 241w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/12/Meditation2011_01.jpg 300w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/12/Meditation2011_01-209x260.jpg 209w" sizes="(max-width: 241px) 100vw, 241px" /></a><figcaption id="caption-attachment-360" class="wp-caption-text">Nichts gegen Entspannungsübungen, aber&#8230;</figcaption></figure>
<p><strong>Ich mag Dummheiten, Paradiesvögel und schräge Ideen. Aus Dummheiten kann man lernen und der Rest bereichert das Leben. Aber irgendwann hört der Spaß auch auf. Etwa wenn man mit lächerlichem Esoterikgeschwurbel Geld verdient oder in Seminaren obskure Heilslehren verbreitet. Die Berliner Piraten sehen das anscheinend anders. Ihre Fraktionsgeschäftsführerin Daniela Scherler ist offensichtlich mit allerlei Esoterik-Hokuspokus und anderem Schwachsinn ganz gut im Geschäft.</strong></p>
<p>Die Piratenpartei beweist ja (gerade wenn es um Personalfragen geht) nicht immer ein glückliches Händchen. Da kommt es schon vor, <a  href="http://holgi.blogger.de/stories/1936152/">daß Piratenabgeordnete ihre Lebensgefährten als Büroleiter beschäftigen</a> (worüber man trefflich streiten kann, ob es formal in Ordnung, politisch-moralisch aber verwerflich ist). Gegen den aktuellen Fall von Daniela Scherler ist das allerdings &#8211; jedenfalls meiner Meinung nach &#8211; Kinderkram.</p>
<p><strong>Warum macht eine Heilpraktikerin jetzt in Politik?</strong></p>
<p>Worum es geht? Die Fraktion der Berliner Piratenpartei hat seit kurzem eine Geschäftsführerin. Auf welche Qualifikationen die Piraten da Wert legen (Daniela Scherler ist zwar immerhin Diplom-Politologin, gleichzeitig aber auch Heilpraktikerin), ist deren Sache. Vollkommen rätselhaft und unverständlich finde ich aber, daß sich niemand unter den verantwortlichen Piraten näher mit dem weltanschaulichen und beruflichen Background von Daniela Scherler beschäftigt hat.</p>
<p><a  href="http://www.scherler-seminare.de/">Wie auf ihrer Website</a> nachzulesen ist, verdient Frau Scherler wohl u.a. mit Seminaren und Vorträgen ihr Geld. Es geht um Lebenshilfe und Gesundheitsprobleme. Und mit ihren Angeboten richtet sie sich offenbar vorrangig an Jugendliche und junge Erwachsene. So weit, so harmlos und unverdächtig.</p>
<p><strong>Esoterik, Positiv-Denken-Geschwurbel und Nonsense</strong></p>
<p>Liest man aber kurz nach, welche Inhalte in den Seminaren vermittelt und welche Referenzen genannt werden, dann sieht die Sache schon anders aus. Und wenn man dann einen Blick in ihr Buch &#8222;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/B0050I6E1G/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=werkstatt-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0050I6E1G">Du hast die Macht über Dich</a>&#8220; [Amazon-Link] wirft (geht es nur mir so, daß ich schon allein den Titel gruselig finde?), dann bleibt einem die Spucke weg.</p>
<p>Hallo Piraten in Berlin! Habt ihr da mal reingelesen oder ist das euch egal?</p>
<p>Das Buch mit dem vielsagenden Untertitel &#8222;<em>Selbstbestimmt leben – ein Leitfaden für junge Menschen</em>&#8220; ist ein atemberaubender Mix aus Esoterik, Positiv-Denken-Geschwurbel, Banal-Psychologie und pseudomedizinischem Quatsch. Es ist vollkommen egal, an welcher Stelle man reinblättert, es wimmelt nur so vor Energien und Resonanzen (die mal gut, mal böse sind) und natürlich gibt es Strategien, wie man sich gegen alles Schlechte in der Welt wappnen und gesund, schön und erfolgreich werden kann. Am sinnvollsten ist vermutlich die Kombination aus dem Besuch von Seminaren bei Frau Scherler und der Lektüre des Buches.</p>
<p>Leseprobe gefällig? Gerne:</p>
<blockquote><p>[In diesem Buch geht es&#8230;] um eine für uns vollkommen neue Denk- und Sichtweise. [Es geht um&#8230;] allgemeingültige und allumfassende Gesetzmäßigkeiten, die wirken, und das, ob wir es nun wollen oder nicht. Wir können sie weder negieren noch wegdiskutieren. Es gibt sie einfach. (&#8230;) Es ist mir wichtig, dass Ihr sie kennt, weil Ihr dann das Werkzeug besitzt, mit dem Ihr selbstständig in Eure Macht kommt.&#8220; (S. 6/7)</p></blockquote>
<p>Hui! Klingt spannend, irgendwie. Allumfassende Gesetzmäßigkeiten, die wir nicht wegdiskutieren können? Welche Gesetzmäßigkeiten das sind und welche Techniken es gibt, mit denen man sie für sich nutzen kann? Darum geht es im Buch (und wohl auch in den Kursen) &#8211; und hier wird es dann wirklich lustig bzw. sehr, sehr traurig.</p>
<p>Denn so wird bspw. ellenlang der ganze unheimliche Quark ausgebreitet, den man ähnlich u.a. vom selbsternannten Heiler und (Krebs-)Arzt Ryke Geerd Hamer kennt. Und so finden sich im Geschwurbel allerlei Parallelen zur Lehre der Germanischen Neuen Medizin (<a  href="http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Germanische_Neue_Medizin">Infos dazu bei Esowatch</a>).</p>
<p><strong>AIDS, Krebs &amp; Co. lediglich Effekt innerer Konflikte&#8230;?</strong></p>
<p>Es dreht sich fast alles um (innere) Konflikte. Und auch Krankheiten wie Krebs oder AIDS sind &#8211; so verkündet Frau Scherler &#8211; Symptome von psychischen Problemkonstellationen. Die Schulmedizin verschweigt das (angeblich); doch Gurus wie etwa <a  href="http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=R%C3%BCdiger_Dahlke">Rüdiger Dahlke</a> (auf den sich Scherler mehrmals bezieht und dessen Bücher sie wärmstens empfiehlt) wissen es natürlich besser.</p>
<p>Für Daniela Scherler ist klar, daß Krankheiten lediglich die &#8222;<em>Quittung für (falsches) Projektionsverhalten</em>&#8220; sind; Krankheiten &#8222;<em>wollen uns helfen, die Einseitgkeiten unseres Lebens zu überwinden</em>&#8220; (beide Zitate S. 186). Im Bezug auf AIDS schreibt sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei der Krankheit AIDS steht die Bereitschaft zur Hingabe an das ganze Leben, einschließlich seiner dunklen Seiten, im Vordergrund. Zu integrierende Lernaufgaben sind meist die Fähigkeit, sich auf einen Menschen wirklich einzulassen, oder Verbindlichkeit mit all ihren Konsequenzen in Beziehungen zu leben. Gefordert ist die Integration der Urprinzipien Pluto und Neptun.&#8220;</p></blockquote>
<p>Chapeau! Darauf muß man erstmal kommen! Die AIDS-Kranken sind doch irgendwie selbst Schuld. Schließlich haben sie ihre Lern- und Hausaufgaben nicht gemacht. Und wer hübsch gesund werden will, der soll sich mal gefälligst anstrengen und die bekannten Urprinzipien Pluto und Neptun integrieren&#8230;. &#8211; Ächz! Wieviel Liter Yogitee muß man trinken, um solchen Unsinn zu verzapfen?</p>
<p>Für Krebspatienten gibt es übrigens ähnliche wertvolle Ratschläge (Tumorpatienten sollen aber bitteschön Jupiter &#8222;integrieren&#8220;&#8230;). Und die Schulmedizin, die (das steht wirklich alles im Buch!) manchmal operiert oder medikamentös interveniert, die lindert zwar Symptome, aber verhindert dadurch, daß wir uns den &#8222;Lernthemen&#8220; stellen. Und im Endeffekt kommen die Symptome und die Krankheit bald wieder. Dann aber &#8222;<em>noch dramatischer</em>&#8222;, wie Daniela Scherler vielsagend raunt.</p>
<p><strong>Feuerwerk an Absurditäten</strong></p>
<p>Es ist wirklich unbeschreiblich. Eine absurde These jagt die nächste. Und an grotesken Anekdoten mangelt es auch nicht. Wenige Seiten nach den Passagen über Krebs und AIDS und die verpassten Lernthemen erzählt Daniela Scherler, daß sie vierzig Tage lang gefastet habe, <em>&#8222;ohne dabei irgendetwas zu essen oder zu trinken&#8220;</em>. (Ich persönlich tippe ja auf <a  href="http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/09/am-anfang-war-das-licht.php">Lichtnahrung</a>. 😉 )</p>
<p>Und es geht weiter:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich war davon überzeugt, dass es [<em>das Fasten, M.S</em>.] mir gut tun würde und ich die Zeit locker überlebe. Wie viele andere vor mir bin ich nicht verhungert, sondern habe innerlich entschlackt. Es gibt Menschen, die in ähnlichen Situationen sterben, weil sie noch in ihrem begrenzten Ego-Denken gefangen sind. So habe ich letztens von einem Flugzeugunglück in den Bergen gehört, bei dem einige der Überlebenden starben, nachdem sie drei Tage ohne Essen geblieben waren. Und das, weil sie sich nicht vorstellen konnten, länger ohne Essen zu überleben. Sie manifestierten so unbewusst ihr Verhungern.&#8220; (S. 193)</p></blockquote>
<p>Wie geil ist das denn? Da brüstet sich Frau Scherler ihrer 40-Tage-Fasten-Heldentat (!) und macht sich über Opfer eines Flugzeugabsturzes lustig , die nach drei Tagen verhungert sind? Diese Idioten! Was lernen wir daraus? &#8211; Richtig! Besser vor dem Langstreckenflug noch ein Seminar bei Daniela Scherler belegt. Wenn dann der Blechvogel abstürzt, dann kann man wenigstens noch angenehm Entschlacken bevor einen die Bergungstrupps wieder aufsammeln&#8230;</p>
<p>Und in diesem unsäglichen Stil geht es über 200 Seiten lang! Und so ein Buch richtet sich an alle Jugendlichen, die nach neuen Wegen und Denkweisen suchen? Ich will gar nicht genau wissen, was ganz genau in den Seminaren vermittelt wird, wo man sich u.a. in &#8222;energetischen Techniken&#8220;, &#8222;Meditation&#8220; oder &#8222;Reiki&#8220; üben kann. Für 180,- Euro können Jugendliche am zweitägigen Einstiegsseminar teilnehmen. Vielleicht möchte ja einer der Berliner Piraten, die im Abgeordnetenhaus sitzen, sich auch mal anmelden?</p>
<p>Eventuell wäre das ja der Einsicht förderlich, daß Frau Scherler als Fraktionsgeschäftsführerin nicht tragbar ist.</p>
<p>&#8211;</p>
<p><strong>Link:</strong></p>
<p>Hier hat sich Richard Joos mit der Sache beschäftigt: <a  href="http://www.korrupt.biz/2504/warum-scherler-als-fraktionsgv-durchaus-eine-piratenpersonalie-ist/">Warum Scherler als FraktionsGV durchaus eine Piratenpersonalie ist</a></p>
<p>&#8211;</p>
<p>Inzwischen hat Daniela Scherler mit einem offenen Brief auf die Kritik reagiert. Ich habe meine Beurteilung in diesem Blogpost zusammengefaßt: <a  href="http://www.scheloske.net/index.php/2011/12/offene-briefe-geisterwelten-und-das-stockholm-syndrom-der-berliner-piraten/">Offene Briefe, Geisterwelten und das Stockholm-Syndrom der Berliner Piraten</a> (19.12.2011)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Freiherr, der Maßstäbe setzt: Anmerkung zu seiner Dreistigkeit Karl-Theodor zu Guttenberg</title>
		<link>https://www.scheloske.net/2011/ein-freiherr-der-massstaebe-setzt-anmerkung-zu-seiner-dreistigkeit-karl-theodor-zu-guttenberg/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marc]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 10:34:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Doktorarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Plagiate]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir erinnern uns: Anfang Februar diesen Jahres machte die Nachricht die Runde, Karl-Theodor zu Guttenberg habe möglicherweise in seiner Doktorarbeit gepfuscht, vielleicht sogar gemogelt. Ein solcher Verdacht wirft natürlich kein allzu gutes Licht auf einen Politiker. Denn auch eine gefeierte Lichtgestalt, wie es der damalige Verteidigungsminister zu jener Zeit war, ist darauf angewiesen, daß ihn [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir erinnern uns: Anfang Februar diesen Jahres machte die Nachricht die Runde, Karl-Theodor zu Guttenberg habe möglicherweise in seiner Doktorarbeit gepfuscht, vielleicht sogar gemogelt. Ein solcher Verdacht wirft natürlich kein allzu gutes Licht auf einen Politiker. Denn auch eine gefeierte Lichtgestalt, wie es der damalige Verteidigungsminister zu jener Zeit war, ist darauf angewiesen, daß ihn das Publikum (i.e. das Wahlvolk) für glaubwürdig hält. </strong></p>
<p>Und so ist ein solcher Vorwurf, man habe bei der Anfertigung einer schriftlichen Doktorarbeit unsauber gearbeitet (sich gar mit Vorsatz an fremdem geistigen Eigentum bedient und bereichert), mehr als unerfreulich. Die Aufrechterhaltung von Glaubwürdigkeit und der (im Raum stehende) Verdacht des Wissenschaftsbetrugs sind halt schlicht nicht miteinander kompatibel. </p>
<p>Am 16. Februar 2011 ließ Guttenberg mitteilen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1.200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen.&#8220;</p></blockquote>
<p><strong>Ein paar Fußnoten nicht korrekt gesetzt?</strong></p>
<p>Das ist schön und klar formuliert. Und es hört sich auch anständig an. Wer jemals eine umfangreiche akademische Arbeit mit einem Umfang von vielen hundert Seiten verfasst hat, der weiß, daß so etwas dabei durchaus passieren kann. Wer ist schon unfehlbar? Auch Doktorarbeiten werden von Menschen geschrieben. Ein paar Fußnoten nicht korrekt gesetzt? Eine handvoll Quellen nicht nach den strengen wissenschaftlichen Zitierregeln angegeben? Es wäre fast eine Bagatelle, eine läßliche Sünde.</p>
<p>Heute sind wir schlauer. Auf dem <a href="http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki" >GuttenPlag-Wiki</a> wurde innerhalb weniger Wochen von dutzenden Freiwilligen die juristische Doktorarbeit Karl-Theodor zu Guttenbergs überprüft. Alle Textstellen, die aus anderen Quellen übernommen wurden, aber nicht als solche gekennzeichnet waren, wurden dokumentiert. </p>
<p>Das Ergebnis könnte eindeutiger kaum sein. Auf 94,4% aller Seiten von Guttenbergs Arbeit finden sich Plagiate. Aus insgesamt 135 Quellen hat Guttenberg abgeschrieben (oder wer auch immer diese Arbeit zusammengestöpselt hat). Wenn man die gesamte Textmenge heranzieht, so stammen davon 63,8% nicht aus der Feder des vermeintlichen Verfassers, der für diese &#8222;Leistung&#8220; mit einem Doktortitel belohnt werden wollte. </p>
<p>In der Visualisierung sieht das so aus (die weißen Bereiche stehen für Textpassagen ohne Plagiate, im ganzen Rest wurde von einer oder mehreren Quellen abgeschrieben, Abbildung stammt von der Seite GuttenPlag):</p>
<figure id="attachment_322" aria-describedby="caption-attachment-322" style="width: 475px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/11/Barcode_zeilen.png"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/11/Barcode_zeilen.png" alt="Visualisierung der plagiierten Anteile von Guttenbergs Doktorarbeit"  width="475" height="300" class="size-full wp-image-322" srcset="https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/11/Barcode_zeilen.png 475w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/11/Barcode_zeilen-300x189.png 300w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/11/Barcode_zeilen-330x208.png 330w, https://www.scheloske.net/wp-content/uploads/2011/11/Barcode_zeilen-414x261.png 414w" sizes="(max-width: 475px) 100vw, 475px" /></a><figcaption id="caption-attachment-322" class="wp-caption-text">Visualisierung der plagiierten Anteile von Guttenbergs Doktorarbeit</figcaption></figure>
<p>Wie formulierte zu Guttenberg noch gleich?: <em>&#8222;Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.&#8220;</em> &#8211; Ach ja, alles klar. Er wolle überprüfen, ob <em>&#8222;vereinzelt (!) Fußnoten (!) nicht korrekt gesetzt sein sollten.&#8220;</em> &#8211; Netter Versuch&#8230;</p>
<p><strong>Von Anfang an als Collage angelegt&#8230;</strong></p>
<p>Ich habe am Dienstag auf der Wissenswerte in Bremen einen Vortrag von Tim Bartel gehört, der in Deutschland hinter Wikia steht, die u.a. das GuttenPlag-Wiki betreiben. Tim Bartel stellte klar, daß Guttenbergs Doktorarbeit von Anfang an als Collage angelegt war.</p>
<p>Nochmal: Guttenbergs Doktorarbeit hat insgesamt 393 Seiten. Auf lediglich 22 Seiten finden sich keine Plagiate. Der Rest ist schlicht und einfach zusammengeklaut.  </p>
<p>Daß die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nun gegen Zahlung von 20.000 Euro eingestellt hat (ein kaum schmerzhafter Betrag für den Sproß einer Familie, deren Vermögen auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzt wird), ist ärgerlich, aber nicht zu ändern. Daß die ZEIT diese Woche fleißig am Comeback, des angeblich geläuterten zu Guttenberg mitarbeitet, ist befremdlich und eigentlich nur noch zum Kotzen.</p>
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